Zur Debatte: Kürzung des Latein- und Griechischunterrichts an den Gymnasien
- Tom Drechsel
- vor 11 Stunden
- 1 Min. Lesezeit
Für Michael Köhlmeier ist die angedachte Kürzung des Latein- und Griechischunterrichts nur ein Symptom unserer Zeit. Alle Kunst und künstlerische Tätigkeit werden zusammengestrichen. Und damit trifft er den neuralgischen Punkt in der Debatte. Mehr denn je geht es heute nur noch um die Ausbildung, weniger um die Bildung des Menschen. Dieser soll nur funktionieren, sein jeweiliges und ihm zugeordnete Rad im System übernehmen. Nicht mehr denken, sondern arbeiten und Wertschöpfung erzielen. Hierfür braucht man keine Bildung, man braucht Fertigkeiten.
Warum soll man noch Homers Odyssee, Ovids Metamorphosen, Dantes Göttliche Komödie oder Baudelaires Les Fleur du Mal lesen? Bildung? Dieses unnützliche Zeitverschwendung darf und soll nicht sein, sie dient weder dem Neoliberalismus noch den Milliardär_Innen.
Aber ist es nicht gerade Kunst, die die Türschwelle für eine neue Welt sein kann, neugierig macht, im Lesen lernt und erkennt? Erkennen, dass man sich mit dem Gegebenen nicht zufriedengeben muss und Neues erschafft. Könnte man das nicht Bildung nennen?
Es geht in der Debatte also nicht nur um die Kürzung von ein, zwei oder drei Lateinstunden, nein, es geht um die Frage, wer wir sein wollen.
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